Nuhr fotografiert!
Fotokunst von Dieter Nuhr
| Eröffnung |
03.03. um 19.00 Uhr |
| Ausstellungsdauer |
03.03. bis 09.05.2010 |
| Nuhr live im Museum |
21.4. um 19.30 Uhr |
| Eintritt |
3 € - Erwachsene / 1.50 € - Kinder u. Jugendliche |
| Verlängerung |
bis 09.05.2010 |
Dieter Nuhr, Meister der intelligenten und feinsinnigen Wortsatire, beherrscht die Technik des witzigen und gewitzten Wortspiels exzellent. So kennen ihn die meisten seiner Zuschauer. Doch außerhalb der Fernsehstudios, der großen Veranstaltungshallen und kleinen Kabarettbühnen ist er ein mindestens ebenso begnadeter „Augenmensch“, der sich von einem aufmerksamen, konzentrierten Schauen leiten lässt, dessen Beobachtungen ihren Niederschlag in einem anderen künstlerischen Medium als der Sprache finden: in der Fotografie.
Der vor allem durch seinen Wortwitz bekannt gewordene Absolvent der Essener Folkwangschule ist „im richtigen Leben“ eigentlich bildender Künstler. Nuhrs Interesse galt zunächst der Malerei, erst später entdeckte er auch die Fotografie, die ihn bis heute fasziniert. Daneben reist er für sein Leben gern und taucht ab in jene Regionen, in denen der Künstler fern jeglichen Fan- und Medienrummels, in der Anonymität aufgehend, ganz er selbst sein kann.
Seine Reiseziele liegen dabei meist jenseits touristisch erschlossener Regionen, bieten dafür Raum für neue Erfahrungen und Begegnungen und sind meistens auch von ihrer Geschichte her hoch interessant und zugleich im aktuellen Fokus. Nuhr hat u. a. China, Iran oder den Jemen bereist – allesamt Länder, die regelmäßig in den Schlagzeilen der Medien auftauchen. Doch abgesehen von den fragilen politischen oder wirtschaftlichen Verhältnissen, die diese Regionen zumeist auf die Titelseiten der Weltpresse bringen, bieten diese Länder den Reiz überwältigender Schönheit, die sich in atemberaubenden Landschaften erschließen lässt und Material für unzählige Fotostrecken lieferte.
Doch Dieter Nuhrs Fotoarbeiten sind alles andere als launige Reiseimpressionen aus fernen Ländern, noch sind sie Ausdruckeiner romantischen Suche nach Exotik. Würde man sie beschreiben oder thematisch einordnen wollen, so würde man vielleicht Begriffe wie „Struktur“, „Formation“ oder „Raster“ verwenden. „Strukturen“ zeigen beispielsweise die Luftaufnahmen von Wasser- und Landflächen, und wie ein lineares Raster erscheinen an anderer Stelle festgehaltene Fenstereinrahmungen, deren spiegelnde Glasflächen den Blick ins Innere erschweren oder ganz versperren. Auch die Bilder bunter Massen im sozialistischen Nordkorea, die wir in ähnlicher Form spätestens seit den Festinszenierungen der Olympischen Spiele 2008 in Peking in ihrer für westliche Beobachter zugleich faszinierenden wie befremdlichen Perfektion wahrgenommen haben, unterliegen dem Schema einer Struktur, die in diesem Fall den Menschen als Individuum einem Massenspektakel unterzuordnen weiß.
Strukturen dienen aber auch dazu, Erlebnisse, Eindrücke und Erfahrungen eines Menschen zu ordnen und für die Erinnerung aufzubereiten. In diesem Sinne sind Dieter Nuhrs Fotoarbeiten schließlich Erinnerungsbilder persönlicher (Reise-)Erfahrungen. Sicherlich liegt dieser Aspekt bereits im Wesen der Fotografie an sich begründet, da sie Dokumentation der gesehenen Wirklichkeit bzw. deren Fragmente für eine lange Zeit festzuhalten in der Lage ist.
Doch in Dieter Nuhrs fotografischem Werk nehmen Erinnerungsorte auch in sehr grundsätzlicher Form im Sinne von spirituellen Gedächtnisräumen einen wichtigen Platz ein. Eine ganze Reihe von Fotografien zeigen Grabstätten, Andachts- oder Gebetsräume, die den Betrachter an symbolische Plätze und Orte der Zeit- und Raumentrückung denken lassen. Und auch hier präsentiert sich das solchermaßen ins Bild gesetzte Memento mori mithilfe einer ordnenden Struktur, sei es in einer linearen Form, in einem Raster oder einer Rahmung.
Wer jetzt behauptet, das alles passe nicht zum Kabarettisten Dieter Nuhr, der irrt. Denn in seinen sorgfältig komponierten Fotoarbeiten erblicken wir gewissermaßen einmal mehr den reflektierenden und ordnenden Zugriff auf die Erscheinungen der Welt, deren Merkwürdigkeiten und Absonderlichkeiten dann im facettenreichen Wortwitz des Kabarettisten in verdichteter Form in Erscheinung treten. Nuhrs Fotokunst steht seiner satirischen Sprachkunst jedenfalls in nichts nach. In dieser Ausstellung werden erstmals über 90 zum Teil großformatige Arbeiten des Künstlers gezeigt.
Veranstaltungsprogramm im Rahmen der Sonderausstellung
öffentliche Führungen:
Sonntag, 7.3., 21.3., 18.4., 9.5., jeweils 11.30 Uhr
2,80 Euro pro Person
Kunstpause
Gönnen Sie sich in Ihrer Mittagspause ein wenig Kunstgenuss!
Mit Jeannette Petersen
Donnerstag, 11.3., 25.3., 8.4., 22.4., jeweils 12.30 Uhr
2,80 Euro pro Person
Blick hinter die Fassade
Den Besuchern werden Insiderinformationen über das Ausstellungskonzept und dessen Realisierung sowie spezielle Sichtweisen auf die ausgestellten Werke vermittelt.
Mit Dr. Melanie Ehler
Dienstag, 23.3. um 19.00 Uhr
2,80 Euro pro Person
Nuhr live im Museum!
Eine Lesung der etwas anderen Art mit Dieter Nuhr
Mittwoch 21.4. um 19.30 Uhr
(Eintritt: 16 Euro)
- ausverkauft -
Culture Guides - Kinder führen Kinder
Führungen durch die Ausstellung am 17.04., 24.04. sowie 01.05.2010 um 16 Uhr
“Reisegeschichten“
(Für Eltern und Kinder ab 6 Jahren)
Mit Jeannette Petersen
Es werden in der Ausstellung Bilder herausgesucht, die von weiten Reisen und fremden Ländern erzählen und vielleicht an eigene Reisen erinnern. Wir sprechen über die Motive und ihre Bedeutung und versuchen herauszufinden, wie man sein Lieblingsmotiv malerisch oder zeichnerisch am besten in Szene setzt.
Sonntag, 7.3., 21.3., 18.4. jeweils von 14-16 Uhr
(5,00 Euro pro Kind und max. 2 Erwachsene)
Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, wird um vorherige telefonische Anmeldung gebeten: Tel. 02102/550-4180/-81